Schnipo Schranke
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Übertrieben lieben, blind sein vor Liebe, viel zu ehrlich sein, viel zu direkt sein, viel zu viel sein, viel zu viel wollen, Geschlechtsteile beim Namen nennen, Kette rauchen, in Zwölfton-Musik geschult sein, Melodien für Millionen schreiben, auf das Popstarwerden warten, im Sitzen die Karriere starten, Lethargie haben, Fehler machen, anhimmeln, sich klein machen, sich groß machen, Halt brauchen, vor nichts Halt machen, Lover in der Hölle sehen, zarte Harmonien mit Fäkal-Sprache paaren, hauptberuflich toben wollen, Schmerzen haben: Schnipo Schranke sind Friederike Ernst und Daniela Reis, die bald merken, dass sie füreinander geschaffen sind. Zwei dünne Ladys in Jogging-Anzügen, die in einem winzigen Zimmer zwischen Matratze und Schreibtisch dancen, sich am Po kratzen und am E-Piano Zeilen wie „Meine Ohren bluten schon / Halt die Fresse Hello-Kitty-Pyjama“ rappen.

Und warum zum Teufel singen die jungen Frauen bei den Konzerten von Schnipo Schranke das auch noch lauthals mit? Sogar in der Roten Flora? Weil es großartig ist, weil es ehrlich ist. Weil Schnipo Schranke sich nackig machen. Weil sie dieses bezaubernde Talent haben, das Pop so existentiell und groß macht: Sie können über ihre Schwächen singen. Ganz bestimmt ist das auch feministisch, aber Schnipo Schranke machen es nicht aus politischen Gründen. Sondern weil sie was Großes schaffen wollen. Und jetzt das Album. „Satt“ heißt es. Eine Rock-Band aus Klavier, Schlagzeug und zwei Stimmen. „Ne Kurze und ne Kranke, zwei Peanuts, ein Gedanke“, singen Schnipo Schranke im Album-Opener. Doch das stimmt nicht. Diese beiden Frauen sind keine Peanuts. Sie sind ganz große Nüsse.

Musikbühne, Samstag, 6. August 2016, 17.15 Uhr

Schnipo Schranke @ Facebook